Bella Luna 2009

Der Clown und das blinde Mädchen
Teil 1
Schon seit langem beobachtet die Elfe immer wieder das kleine blinde Mädchen und ihren Freund den Clown. Stundenlang sitzt die Kleine an ihrem Fenster und träumt davon, einmal sehen zu können. Zappelo, der kleinen Clown, der Abend für Abend in der Manege des Familiencircus das Publikum mit seinem einzigartigen Lachen erfreut, mag das Mädchen sehr. Sein Lachen ist auch die größte Freude des kleinen Mädchens, denn sie kann ja nichts sehen.
Seit langem schon ist der Herr des Bösen hinter dem Lachen des Clowns her- doch ohne Erfolg. Bis jetzt hat er es nicht geschafft, dem Clown das Lachen abzuluchsen- auch wenn er ihm schon viel dafür geboten hat.
Eines Abends sitzt das blinde Mädchen wieder auf ihrem Balkon und lauscht dem Applaus des Publikums im Circuszelt, welches die Circusfamilie am Strand unweit ihres Hauses aufgeschlagen hat. Nach der Vorstellung kommt ihr Freund, der kleine Clown zu ihr. Das kleine Mädchen ist an diesem Abend so traurig, dass sie weint und ihrem Freund, dem Clown ihre Wünsche anvertraut.
Könnte sie doch nur einmal die Sonne, den Mond und die Sterne, die Stadt mit ihren Menschen, das Meer mit seinen glitzernden Wellen, den Wald mit seinen singenden Vögeln und bunten Schmetterlingen und ihren Freund, den Clown mit seinem einzigartigen Lachen sehen.
Traurig verlässt der Clown an diesem Abend seine kleine Freundin, denn sein ganzer Trost hat das Weinen und den Kummer des Mädchens nicht stillen können. Wieder im Zelt zurück, kommt dem Clown in der Nacht eine Idee: Er müsste den Herrn des Bösen finden und sein Lachen doch für seine Freundin gegen die schon mehrmals angebotenen 5 erfüllten Wünsche eintauschen. Ja, das muss er tun, um die Tränen des Mädchens zu stoppen. So macht sich der kleine Clown auf den Weg in den Wald an dessen Ende die Höhle des Bösen liegt. Schon aus der Ferne sieht er den Eingang der Höhle, die von unheimlichen Spinnen bewacht wird. Er schaut genauer hin und erkennt den Bösen. Er sieht, wie dieser verzweifelt versucht, gemeinsam mit einem seiner Leute, kleine Säcke kunstvoll in der Luft zu halten. Dem anderen gelingt es schon recht gut, doch dem Bösen fallen immer wieder die Säcke zu Boden- er ärgert sich, stampft und ist wütend. Der Clown nimmt all seinen Mut zusammen und nähert sich.
So kommt es zum Pakt zwischen den beiden. Für das Erfüllen von 5 Wünschen verkauft der Clown sein Lachen an den Bösen. Alles mit der Auflage, niemals über diesen Pakt zu sprechen.
Die Freude seiner Freundin im Sinn, der er nun ihre größten Wünsche erfüllen kann, macht sich der Clown schnell zurück auf den Weg in die Stadt. Der Böse genießt sofort seinen Erfolgt und sogar das Jonglieren der Säcke in der Luft gelingt ihm plötzlich. Weit schallt dabei sein dreckiges Lachen durch den Wald.
Am nächsten Tag eilt der Clown bei Tagesanbruch zum blinden Mädchen. In seiner Tasche trägt er ein großes Fernglas. Er gibt es dem Mädchen behutsam in die Hand und nimmt ihr die große schwarze Brille ab.
Und da, wie ein Wunder… in der Ferne sieht das Mädchen den Circus, die Häuser der Stadt und erkennt sogar Freiluftartisten, die waghalsig ihr Seil zwischen zwei Dachfirste gespannt haben und nun darauf ihre Kunststücke zeigen. In der Straße folgt sie mit dem Fernglas dem Klang der Musik- schon oft hat sie diese Musik gehört, doch zum ersten Mal kann sie die Gruppe junger Menschen sehen, die dort Seil springen und Kunststücke mit einem Basketball zeigen.
Das Mädchen macht sich ganz groß, sie möchte das Meer sehen, aber eine Häuserreihe versperrt ihr den Blick- doch der Clown überrascht sie mit Stelzenläufern die und aus dem Circus kommen das Mädchen vom Balkon zum Meer tragen. Unbeschreiblich groß ist ihre Freude. Zum ersten Mal in ihrem Leben sieht das Mädchen wirklich die Muscheln und Seesterne und das Glitzern der Wellen. Tänzerinnen sind am Strand und machen Kunststücke mit ihren Reifen. Das kleine Mädchen ist überwältigt. So gerne würde der Clown auch seine Freude mit seinem Lachen zeigen, doch so sehr er sich bemüht, sein Mund ist wie erfroren und auch der Klang seines Lachens ist verstummt.
Der Clown läd das Mädchen zum Picknick am Strand ein und seine Freunde aus dem Circus kommen und decken kunstvoll die Picknickdecke. Erschöpft und glücklich liegen der Clown und das Mädchen am Strand, doch sind sie wirklich glücklich???
Plötzlich wird auch dem Mädchen klar, dass sie seit dem Moment, indem sie ihr Augenlicht wiedergefunden hat, das Lachen des Clowns, welches doch ihr Allerliebstes war, nicht einmal mehr sehen oder hören konnte. Sorgenvoll fragt sie den Clown, warum er nicht mehr lacht, doch dieser wehrt ab und erklärt ihr, dass er darüber nicht sprechen könne- er habe es verloren, aber vielleicht könnten sie gemeinsam versuchen es wiederzufinden.
Teil 2
So machen sich der Clown und das Mädchen nun zusammen auf den Weg in den Wald.
Hier leben ganz wundersame Gestalten, Paradiesvögel, Gnome, Zwerge und andere skurrile Typen. Weit aus der Ferne hört man immer wieder eigenwillige, fast unheimliche Töne und ein dreckiges Lachen. Auch der Schein von Feuer ist weit durch die Dunkelheit zu erkennen.
Plötzlich taucht ein kleiner Gnom auf und lockt die beiden zur Höhle des Bösen. Das Mädchen und der Clown tappen in eine Falle und werden gefangen und eingesperrt. Der Böse befielt, das Mädchen in zwei Stücke zu zerteilen und den Clown im Ringkäfig verhungern zu lassen, so kann er auf immer und ewig sein Lachen behalten.
Dieser Gedanke veranlasst den Bösen sich sinnlos mit Wein zu betrinken, zur Belustigung lässt er Akrobaten kommen. Da er so betrunken ist, merkt er nicht, dass die beiden Akrobaten zwei verkleidete Zauberer sind, die die Elfe zur Hilfe geschickt hat und nachdem die Akrobaten sich verbogen haben, befreien sie den Clown und das Mädchen. Gemeinsam sperren sie danach den besoffenen Bösen ein.
Der Clown nimmt seine Freundin erschöpft an die Hand und beide liegen sich glücklich in den Armen. Sie schauen in den Himmel, wo die Wolken vorüberziehen und wundersame Gestalten in die Luft malen. Und siehe, die Elfe hat dem Clown sein Lachen zurückgegeben.
Beide gelangen zurück in die Stadt, gerade hört man noch den Applaus und die vertraute Circusmusik.
Den wahren Wert eines Lachens kennen aber viele der Leute im Zelt nicht, sondern vielmehr haben ihn der Clown und seine Freundin gefunden.

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